1. Dezember 2011 17:11

Musik-Downloads: Musiker werfen Bundesrat Ignoranz vor!

Der Bundesrat hält den Downloadern von Musik, Filmen und Spielen die Stange.

In einem Communiqué vom 30.11.2011 schreibt er, dass er keinen Handlungsbedarf sehe bezüglich den bestehenden Regeln beim Download von Musik, Filmen und Videogames im Internet. Somit bleibt in der Schweiz der Download von urheberrechtlich geschütztem Material wie Musik, Filmen und Spielen von sogenannten “One-Click-Hostern” für den privaten Gebrauch legal.

Fragwürdig am Urteil: Der Bundesrat stützt seine Meinung auf eine holländische Studie, da in der Schweiz keine herangezogen werden konnte. Ausserdem ist er der Auffassung, dass immer noch gleich viel Geld für Games, Musik und Filme ausgegeben werde. Anstatt Musik- oder Filmkonserven gingen die Leute halt vermehrt an Konzerte, ins Kino oder kauften Merchandising. Auf diese Verschiebungen müssten die Anbieter halt reagieren, schreibt der Bundesrat.

Ein ziemlicher Affront für die Betroffenen. Einige haben sich bereits geäussert:

Tommy Vercetti, Rapper aus Bern veröffentlichte folgendes Statement auf seiner privaten Facebook-Page:

CBN, Mitglied des Rap-Kollektivs Eldorado FM äussert sich, beziehend auf das “Querfinanzierungsargument” des Bundesrats, wie folgt:

“Mich stört nicht die Problematik der Downloads, sondern viel mehr Die Bemerkung des Bundesrates, welche suggeriert, dass fehlende Verkäufe durch Kinobesuche und den Verkauf von Tassen kompensiert werden könnten. Das ist pietätslos.”

Florian Rieser, Chef des Independent-Labels Nation Music kann den Beschluss des Bundesrats nicht nachvollziehen:

“Dass die Basis Daten dieser Studie scheinbar aus Holland stammen, finden wir merkwürdig. Dass wir als nationales Label mit unzähligen Releases in den letzten Jahren, das stark von dieser Thematik betroffen ist, nicht befragt wurden, erstaunt uns ebenfalls. Die daraus resultierende Pauschalaussage, dass „illegale“ Downloads die einheimischen Kulturschaffenden nicht tangiere, können wir als direkt Betroffene daher nicht nachvollziehen.”

Die IFPI, der Dachverband der Plattenindustrie, schreibt auf Anfrage von joiz:

„Musiker und Produzenten haben ein Recht darauf, dass ihre Arbeit fair bezahlt wird. Der Bundesrat sieht, dass illegale Downloads im Internet weit verbreitet sind. Trotzdem will er die Gesetze nicht anpassen. Die Situation bei der Anti-Piraterie ist unbefriedigend. Wir verlangen: das Downloaden aus illegalen Quellen muss verboten werden – nur so erhalten die Musiker und deren Produzenten einen fairen Ausgleich für ihre Arbeit.“

Höchst brisant sind in diesem Zusammenhang auch die Aussagen von Jan Delay, die er bereits am 23.11.2011 auf Facebook veröffentlich hat:


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